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Gorkana trifft...Peter Wyss
9 Juli 2015

Gorkana trifft...Motorsport Journalist Peter Wyss

Sie haben Ihre Journalismus-Karriere 1977 beim Schweizer Motormagazin MOTORSPORT aktuell begonnen, wo Sie bis 2000 gearbeitet haben. Sie haben dann zwischen 2001 und 2015 für das Magazin AUTOMOBIL REVUE gearbeitet, unter anderem als Chef vom Dienst und Co-Chefredakteur. Warum haben Sie sich für eine Karriere in Journalismus und im Bereich Motorsport entschieden?

Durch meinen Vater, der in den frühen 60er-Jahren Rennen zur Schweizer Meisterschaft fuhr und diverse Autozeitschriften abonniert hatte, bin ich mit Motorsport aufgewachsen. Noch während meiner Schulzeit auf dem Gymnasium habe ich Rennberichte für die Clubzeitschrift meines Vaters verfasst und bin so durch den damaligen Verantwortlichen für den Schweizer Sport bei MOTORSPORT aktuell/powerslide entdeckt worden. Anfänglich berichtete ich nur als freier Mitarbeiter von einzelnen Rennen, bis sie in Zürich – dem damaligen Redaktionssitz – einen Nachfolger suchten und auf mich zukamen. Für mich ging ein Traum in Erfüllung. Sportjournalismus, speziell mit dem Thema Automobil, ist also wirklich eine Berufung, ich durfte mein Hobby zum Beruf machen.

Wie hat sich Ihrer Meinung nach die Schweizer Medienlandschaft seit Anfang Ihrer Journalismus-Karriere geändert?

Ich kann nur für mein Metier sprechen. Bis in die 90er-Jahren gab es kein Internet und keine Emails, auch steckte die Pressebetreuung von Herstellern und in meinem Fall von Rennteams oder Fahrern noch in den Kindernschuhen. Man musste sich die Informationen also grösstenteils über sein jahrelang erschaffenes Kontaktnetz besorgen, vor Ort oder telefonisch. Bücher waren die einzigen Nachschlagewerke, wenn man sich nicht auf die eigene Erfahrung berufen konnte. Heute googeln wir rasch im Internet und erhalten eine Fülle von Informationen. Nur gilt es diese dann auch wieder gewissenhaft auszusortieren und ggf. auf den Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Bei jüngeren Kollegen stelle ich immer wieder fest, dass sie auf “Enten”, Falschaussagen oder unwahre Behauptungen hereinfallen. Viele können nicht mehr Features oder spannende Reportagen schreiben, sie geben einfach umgeschriebene Pressemitteilung wieder, meistens kritik- und emotionslos. Auch habe ich noch mit dem Adlersystem auf einer Hermes Baby zu schreiben begonnen, erst auf Manuskript, das dann korrigiert und ggf. ein zweites Mal verfasst werden musste, ehe es der Schriftsetzer an seiner “Bleimaschine” an sich nahm. Oftmals gab es sogar eine Zwischenstufe, nämlich dann, wenn man einen Artikel telefonisch durchgeben musste, dann beschäftigten sich also drei Leute mit einem einzigen Bericht. Heute geht alles vieles schneller, man tippt seinen Bericht in ein Laptop, hat Korrekturprogramme, und kann ihn gleich an die Schlussredaktion abgeben. Aber eben, früher wie heute entstehen die guten Berichte im Kopf – und den kann kein Computer ersetzen, zumindest heute noch nicht…

Seit Anfang Ihrer Karriere haben Sie für Motor Print-Publikationen gearbeitet. Welche Herausforderungen sehen Sie in Zukunft für die Industrie?

Die Industrie muss Ansatzpunkte für spannende Geschichten und Themen liefern, und die Medien müssen diese umsetzen. Ein gutes Printprodukt verkauft sich noch heute, nur ist viel mehr Aufwand für weniger Ertrag notwendig als in früheren Zeiten ohne Konkurrenz durch andere Wege der Informationsverbreitung.

Welchen Einfluss hat Social Media nach Ihren Erfahrungen auf die Medienindustrie?

Manchmal ist es fast zu viel des Guten, was man an Informationen über die sozialen Netzwerke erhält. Ich gehöre nicht zu denen, die alles jederzeit sofort wissen müssen, habe daher auch nicht jeden Newsletter oder Twitteraccount abonniert. Wenn es etwas Interessantes gibt, dann spricht sich das eh rasch herum. Ich schaue nur auf Facebook, was Rennfahrer so berichten und wissen. Jüngere Journalisten denken da vielleicht anders, und daher hat Social Media auf sie natürlich schon einen Einfluss.

Wie können PRs Journalisten in Ihrer Branche am besten helfen?

Viel, weil es halt die schnellste Art der Informationsverbreitung ist. Allerdings gibt es Firmen, die bombardieren einem fast mit Pressemitteilungen. Jede kleine Neuigkeit gibt Anlass zu einem Press Release. Manchmal wäre weniger mehr. Aber generell sind die PR-Abteilungen immer eine Hilfe, vor allem dann, wenn man persönliche Anliegen hat und so einen direkten Ansprechpartner vorfindet.

Wie sollen PRs Kontakt mit Journalisten am besten aufnehmen?

Kommt auf die Situation oder das Thema an. In der Regel genügt eine Email – Postversand ist out. Wichtige News sollten nicht einfach auf der firmeneigenen Homepage verraten werden, weil ich nicht Zeit habe, jeden Tag jede Firma danach abzuklappern. Eine Email als Lockvogel genügt, wenn man nicht gleich darin alles mitteilen will. Ich schätze aber auch den persönlichen Kontakt, wenn ich etwa per Telefon auf einen Termin oder bevorstehende Einladung zu einem Anlass aufmerksam gemacht werde oder man mich nach dem Interesse für ein spezielles Thema befragt. So lassen sich oftmals interessante Themen verwirklichen.

Was sind Ihre Pläne für die Zukunft? Möchten Sie weiterhin eine Karriere im Journalismus verfolgen?

Ich bin und bleibe Journalist. Ich suche nun eine Vollzeitstelle bei einem anderen Medium, nur leider sind die Arbeitsplätze auf meinem Gebiet rar. Daher ziehe ich auch die Selbständigkeit in Erwägung, aber ich überstürze da nichts.

Was ist die beste oder interessanteste Geschichte, an der Sie je gearbeitet haben?

Da ich selbst auch Autorennen bestreite, und dies seit mehr als 30 Jahren mit internationaler Rennlizenz, sind diese Erlebnisberichte für die Leser die interessantesten. Die schönsten, auf die ich immer wieder angesprochen werde, sind jene als Fahrer bei den 24 Stunden Nürburgring auf der berüchtigen Nürburgring-Nordschleife, der schwierigsten Rennstrecke der Welt. Mit 24 Starts seit 1986 bin ich der Ausländer, also Nicht-Deutsche, mit den meisten Teilnahmen an diesem Rennen. Auf das grösste Echo stiessen jedoch in den letzten drei Jahren meine zwei Testberichte mit den Siegerwagen des inzwischen dreifachen Schweizer Siegers der berühmten 24 Stunden von Le Mans, Marcel Fässler. Dabei handelt es sich um gegen 800 PS starke Sportprototypen der Marke Audi. Für einen Leser informativ, unterhaltsam und nachvollziehbar zu schildern, was mit solch einem potenten Fahrzeug bei Tempo 250 bis 350 geleistet werden muss, wie man sich in einem solch engen Cockpit fühlt, was Marcel Fässler dazu sagt, ist zugleich eine grosse journalistische Herausforderung. Aber das anhaltende Feedback mancher Leser, die solche Stories nun in einer AUTOMOBIL REVUE vermissen, ist die schönste Belohnung und zeigt, dass man seine Arbeit als Journalist richtig gemacht hat. Und zugleich macht es traurig, dass diese Arbeit vom Arbeitgeber nicht geschätzt wurde.

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